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Produkteindrücke

Nachdem ich das Spiel über Steam installiert hatte, konnte es endlich losgehen. Das Hauptmenü ist recht übersichtlich – man kann ein neues Spiel starten, laden, seine Errungenschaften ansehen und Einstellungen verändern. Die Errungenschaften sind mit Steam verbunden und tragen einen Teil dazu bei, dass das Spiel nicht langweilig wird. Insgesamt gibt es eine Anzahl von 39 Errungenschaften, die vom Spieler ergattert werden können. Vorausgesetzt wird dabei, dass man das Spiel nicht nur in der leichtesten Schwierigkeitsstufe ausprobiert, sondern sich auch mal an höhere Schwierigkeitsstufen wagt.
In den Einstellungen können einige Punkte verändert werden, wie man es auch bei anderen Spielen kennt. Zum einen lassen sich bereits vorgefertigte Einstellungen als Niedrig, Mittel, Hoch und Sehr hoch wählen, jedoch kann man die Einstellungen auch voll und ganz auf seinen Rechner anpassen. So habe auch ich für den Test die Grafik auf meinen Rechner angepasst.
Nach der Begutachtung der genannten Menüoptionen ging es dann zum ersten Mal ins Spiel bzw. dorthin, wo ein neues Spiel erstellt werden kann. Auch hier gibt es nochmal einige Einstellungsmöglichkeiten wie zum Beispiel das Wählen der Kartengröße, dem Gelände und des Schwierigkeitsgrades. Da das Spiel in unterschiedlichen Epochen der Eisenbahngeschichte spielt, ist auch hier das Startjahr wählbar. Wählen kann man zwischen 1850, 1900 und 1950, wobei zu Beginn nur 1850 zur Auswahl steht. Die anderen beiden müssen erst im Spielverlauf durch eine Errungenschaft freigeschaltet werden. Dass eine Welt selten wie eine aussieht, zeigt der Zufallsgenerator des Startwertes. Dieser sorgt für das individuelle Aussehen einer Karte und formt Landschaften und baut Städte nach den Vorgaben des generierten Wertes.

Sobald man seine Welteneinstellungen gefunden hat, geht es auch schon los – oder fast. Wenn im Spiel erstmalig eine Welt errichtet wird, dauert das Laden der Welt länger. Dies ist jedoch nur einmalig so, sodass das Kreieren neuer Welten oder das Landen des Spielstandes schneller vonstattengeht.  Ist man dann einmal im Spiel, begrüßt jemanden Hintergrundmusik und die Frage, ob Tutorials gespielt werden möchten. Diese können abgelehnt werden, jedoch muss eine neue Welt generiert werden, wenn man diese Tutorials doch noch nachholen möchte.

Der Aufbau der Menüs ist übersichtlich gehalten und man kann einfach zwischen den unterschiedlichen Typen wählen. Wer jedoch damit beginnt, mit der Maus durch Berühren des Bildschirmrandes das Bild in verschiedene Richtungen zu bewegen, dem wird auffallen, dass das nicht überall funktioniert, denn die Menüs stören dabei. Somit hat man nur einen kleinen Raum, das Bild nach rechts zu bewegen, da sich dort das größte Menü befindet. Alternativ lässt sich das Bild über die Pfeiltasten der Tastatur bewegen. Wem die Musik übrigens nicht unbedingt gefällt, der kann diese auch ausschalten.

Nach dieser Entdeckung habe ich mir dann die erste Stadt gesucht, die im Jahr 1850 mit öffentlichem Nahverkehr versehen werden sollte. Eine eigene Erfahrung die ich gemacht habe und gerne teilen möchte ist die, dass man nicht unbedingt übereifrig handeln sollte. Wer zu schnell zu viel baut, der schafft es, bankrott zu gehen. Fängt man hingegen richtig an, sollte das Geld eigentlich das geringste Problem sein.

Nach und nach erbaute ich Haltestellen, ein Depot für die gewählte Stadt und natürlich auch die Busse bzw. das, was man um das Jahr 1850 als Busse bezeichnen konnte. Deshalb startete der erste Linienverkehr, der zeitgleich auch die ersten Errungenschaften einbrachte, mit 2 Pferdestärken und  einer Maximalkapazität von 5 Personen. Bevor eine Linie errichtet wird, sollte man in der Übersicht nachschauen, wo sich welches Gebiet befindet. Städte sind immer in die Kategorien Wohnen, Freizeit, Industrie und Gewerbe unterteilt. Je mehr Gebiete von einer Linie abgedeckt werden, desto mehr Passagieren fahren mit. Genaue Planung ist angesagt, da große Linien längere Wartezeiten verursachen und zu Beginn auch nicht viele Personen in die Kutschen passen. Hat man seine erste Linie errichtet und die ersten Busse im Depot gekauft und Linien zu gewiesen, sieht man, ob seine Linie erfolgreich bei der Bevölkerung ankommt oder nicht. Es ist möglich, dass Linien kaum angenommen werden und keinen Profit erbringen. Das ist jedoch nicht vorhersehbar und nur durch Probieren herauszufinden. In der Regel ist man gut dabei, wenn man das Wohngebiet mit einem der anderen Gebiete verbindet. Nach diesem Prinzip können auch mehrere Linien in einer Stadt erstellt werden. Ist die eine Stadt voll ausgeschöpft kann man über die Karte schauen und sich in die nächste Stadt begeben. Da jede Stadt im Aufbau der Straßen anders ist, wird einem hier nicht langweilig.

Allerdings hat man bei Train Fever nicht nur die Möglichkeit, Personen von A nach B zu befördern, sondern auch Frachten. Auf der Welt verteilt gibt es einige Fabriken, die Material produzieren. Beispielsweise produziert ein Sägewerk Holz, das zu einer anderen Fabrik muss, die Güter aus diesem Holz macht. Zu Anfang ist die Produktion aller Fabriken noch sehr gering und Fabriken, die Material anderer brauchen haben gar nicht die Möglichkeit, etwas zu produzieren. Manchmal beginnen einige Fabriken eine geringe Produktion und die hergestellten Materialien oder Güter werden zu anderen Fabriken oder in die Stadt gebracht. Hier kann der Spieler jedoch mit Kutschen oder später Zügen oder LKW aushelfen. Die Wege sind teilweise lang, jedoch ist der Gewinn, den man durch Frachttransport erzielen kann,  ziemlich hoch und lohnend. Transportiert man viel und produziert die Fabrik viel, so ist es nicht nur für den Spieler ein gutes Geschäft sondern auch für die Fabriken. Je nach Auslastung können sich Fabriken vergrößern oder verkleinern. Nach einiger Zeit habe ich ein Sägewerk mit einer anderen Fabrik verbunden und Holz mit Kutschen transportieren lassen. Dadurch hat die Fabrik mehr produziert und mir hat es Geld gebracht. Die Fabrik sah auch seine Vorteile und expandierte zum Nachteil meinerseits, denn diese große Menge konnten die kleinen Kutschen nicht mehr liefern und es dauerte auch eine Weile, bis die Kutschen ihre Fahrten vollbracht haben. So mussten Schienen mit Güterzügen her, die variabel mehr transportieren können und auch schneller sind. So wurde die Güterlinie mit Kutschen aufgelöst und die Zuglinie mit Güterbahnhof und Zügen eröffnet. Zunächst scheint es, als wenn Züge sehr teuer sind, aber das gleicht sich schnell aus. Erneut steigert das Sägewerk die Produktion, sodass nach einigen Ingame-Jahren auch der Zug alleine nicht mehr mit der Lieferung hinterher gekommen ist. Mittlerweile transportieren zwei Züge mit mehreren Güterhängern das Holz von A nach B. Wenn der Lieferweg gut ist, werden die in der Fabrik durch das Holz erstellten Güter auch in den Zug verfrachtet und zum Ziel gebracht. Praktisch ist es auch, die Güter, die erstellt werden, direkt an den Stadtrand einer Stadt zu liefern. Dort haben diese nur noch einen kurzen Weg zum Bestimmungsort. Dies lässt sich wieder mit Zügen, als auch mit Kutschen (LKW) erledigen.

Nach einigen Jahren kommen die Innovationen und man erhält neue Fahrzeuge oder Züge, um Fracht und Menschen zu transportieren. Dies ist praktisch, wenn auch gerade die alten Kutschen nach 15 Jahren an das Ende ihrer Leistungslänge angelangt sind. Wenn eine Kutsche ausgewechselt werden soll, dann muss diese einfach nur in das Depot geschickt werden, dort verkauft werden und das oder die neuen Fahrzeuge auf die neue Linie zugewiesen werden.

Zurück in den Städten. Der Personenverkehr läuft bestens und das sieht man auch an den Häusern. Vergleicht man das Stadtbild der Stadt von 1850 mit dem einige Jahre später, so haben sich einige Häuser geändert und sind größer geworden. Das Stadtbild verändert sich je nach Verfügbarkeit der Verkehrsmittel und der Epoche. Ist viel Nah-/Fernverkehr vorhanden, wachsen Städte und es werden für die Zeit gewöhnliche große Bauten errichtet. Ist man in einer späteren Epoche, so bauen sich für diese Zeit nach Bedarf gewöhnliche große Gebäude.

Dies waren meine ersten Spielerfahrungen zusammengefasst. Nun kommen wir zu den bewertungsrelevanten Kategorien:

 

Grafik

Grafisch hat das Spiel einiges zu bieten. Die Städte sind mit vielen Details ausgestattet, auch sind einige animierte Fußgänger auf den Straßen zu sehen und die Fahrzeuge der jeweiligen Epochen wurden sehr gut in Szene gesetzt. Diese sind, sofern möglich oder nötig, animiert und die Türen öffnen sich, wenn Menschen an den Haltestellen ein- oder aussteigen.
Bei den Texturen gibt es ebenfalls nichts zu meckern, denn diese passen sehr gut ins Spiel. Allerdings gibt es noch kleinere Punkte, die eine Verbesserung verdient hätten. Das Spiel neigt gerne dazu, etwas zu ruckeln oder kurzzeitig stehenzubleiben. Vor allem passiert dies, wenn der Spielstand fortgeschritten ist und man zusätzlich die größtmögliche Kartengröße gewählt hat. Deshalb wird empfohlen, auf Rechnern mit geringerer Leistung auch eine kleinere Karte auszuwählen. Viele Animationen werden geboten, jedoch wird das wichtigste leider ausgelassen – die Depots. Die Fahrzeuge fahren demnach durch die Tore hindurch. Beim Zugdepot gibt es sogar ein kleines Loch in der Fassade, wo man Wiese im Depot wachsen sehen kann. Die Gestaltung der Bahnübergänge zu frühen Zeiten ist ebenfalls noch eine Verbesserung würdig. Bugs konnte ich während der Testzeit nur sehr wenige entdecken.

 

KI

Die künstliche Intelligenz ist in vielen Spielen eigentlich immer das Topthema. Bei Train Fever haben Passanten genau ein Stammgeschäft, eine Wohnung, einen Arbeitsplatz und eine Arbeitsstätte. Demzufolge kann man sich gut an die Passanten beim Linienbau orientieren.
Aus der Realität kennt man es – kommen gewisse Bahnen mal zu spät, verliert man die Lust, die Bahn zu nutzen und so ist es auch bei Train Fever. Kommen regelmäßig Busse, Trams oder Züge, sinkt die Anzahl der Fußgänger, die zu Fuß zur Arbeit pendeln. Warten sie hingegen zu lange auf eines der Verkehrsmittel, nehmen sie es nicht mehr und bevorzugen das Laufen. Der KI wäre nahezu perfekt gelungen, würden die Bahnübergänge nicht ignoriert werden, denn das sieht leider nicht so schön aus.

 

 

Sound & Atmosphäre

Man merkt an der Umwelt, dass man Jahre voranschreitet. Gute Verkehrsanbindungen lassen Städte wachsen und auch der zeitliche Fortschritt sorgt dafür, dass Städte ihr Stadtbild verändern. Hier lässt sich die Geschichte des ÖPNV und Frachtverkehrs sehr gut nachempfinden. Die Nachbildung der Fahrzeuge ist sehr gut gelungen und die Sounds sind passend zu diesen. So schön die Sounds an den Fahrzeugen sind, so fehlen sonstige Sounds vergeblich, was man richtig bemerkt, wenn man die Hintergrundmusik abstellt. Leider wurde beim Spiel voll auf Umgebungsgeräusche verzichtet, wodurch die Umgebung zu still wirkt und die Stille ist für eine volle Straße unrealistisch. Stattdessen kann man ständig eine Kasse klingeln hören, wenn man etwas einnimmt. Worüber man sich zu Beginn freuen mag, kann bei hohem Betrieb ziemlich nervig werden. Hier wäre eventuell eine Reduktion dürftig.
Um nochmal auf die Hintergrundmusik zurückzukommen sollte beachtet werden, dass man unabhängig von der Spiellautstärke die Musiklautstärke reduzieren oder ausschalten kann.

 

 

Umfang

Das Spiel hat als Wirtschaftssimulation viel zu bieten. So sind zum Beispiel die Kartengrößen variabel wählbar und Karten sind durch den Weltcodegenerator unterschiedlich. Spieler von früheren Spielen wie Transport Tycoon oder dem Verkehrsgiganten kennen möglicherweise noch die Möglichkeit, dass Fahrzeuge beobachtet werden können. Dies wird in Train Fever aufgegriffen und so ist es wahrscheinlich, dass der Spieler eine Linie  mal mit einer Kamera begleiten möchte, während der Unternehmensausbau an einer anderen Stelle weitergeht.
Vom Jahr 1850 bis 1950 kann es sehr lange dauern. Wer das Spiel nicht durchgehend im schnellsten Geschwindigkeitsmodus spielt (insgesamt gibt es drei), sitzt viele Stunden daran, sein Unternehmen auf der ganzen Karte zu vergrößern. Neue Fahrzeuge erhält man nicht zu jedem Jahreswechsel, so dass gerne mehrere Jahre verstreichen müssen, bis es ein neues Verkehrsmittel auf dem Markt gibt.
Viele Übersichten erleichtern dem Spieler das Wachstum. So kann man beispielsweise die Höhenlinien aktivieren, um beim Bau einer Zuglinie nicht durch Berge zu bauen, wodurch der Zug langsamer wird und die Kosten steigen. Im Allgemeinen ist das Spiel sehr verständlich gehalten und wenn das Spiel nicht übereifrig begonnen wird, ist das Verdienen von Geld mit wirtschaftlichen Netzen sehr einfach. Die Menüs sind verständlich, sodass man sich sehr schnell zurechtfinden kann. Beim Frachtverkehr, der einiges an Geld in die Kassen fließen lässt, wurde leider etwas an Warentypen gespart, sodass es dort keine allzu große Vielfalt gibt.
Train Fever bietet Möglichkeiten zum Modding. Aus diesem Grund kann das Spiel wohl noch länger interessant bleiben und den Spaßfaktor sowie den Umfang erhöhen.

 

 

Fazit

Das Spiel hält das, was es verspricht. Bei mir werden sich die Spielstunden auf jeden Fall noch erhöhen. Nachdem ich auch sehr lange ältere Wirtschaftssimulatoren gespielt habe, freue ich mich sehr über einen gelungenen aktuellen Wirtschaftssimulator, der gut zu spielen ist und den Spieler fesselt. Bei diesem Spiel handelt es sich um die meiner Meinung nach beste Wirtschaftssimulation, die in diesem Jahr erschienen ist und die wenigen Bugs sprechen für sich. Hier und da gibt es noch Verbesserungsbedarf, aber mit dem, was wir mit dem Spiel von Urban Games erhalten haben, ist eine sehr gute Grundlage gelegt. Wer die frühe Entwicklung von Bus und Bahn intensiv nachspielen will, der ist mit Train Fever sehr gut bedient!

 

Einzelbewertungen


Grafik



8 / 10


KI



4 / 5


Sound & Atmosphäre



8 / 10


Umfang



13 / 15

   

Gesamtpunktzahl



33 / 40

 

 Gesamtwertung:.................83% (gut)

 

 


 Review durchgeführt mit der Grundversion + Stable Patch von Train Fever.

Reviews im Race-Sim-Net werden durch die eigenen Erkenntnisse der Autoren verfasst. Wie in vielen Bereichen kann es natürlich zu Meinungsverschiedenheiten kommen! Innerhalb des Testfensters könnten Dinge unentdeckt geblieben sein, wodurch es nach entsprechender Ansicht möglicherweise Lücken geben könnte.

 

 


So werten wir (Angaben in %):