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Produkteindrücke

Der neue Bus-Simulator 16 vom österreichischen Entwicklerteam stillalive studios und Publisher astragon ist am 02.03.2016 im Handel erschienen und ist an Steam gebunden. Moment – astragon und Bus-Simulator? Gab es das nicht schon öfter? Genau! Ende 2007 gab es bereits den ersten Bus-Simulator, der den Titel „Bus-Simulator 2008“ trug – mehr als 8 Jahre ist das schon her! 2009 gab es einen weiteren Teil der Serie (Bus-Simulator 2009), 2011 und zuletzt 2012 wurde der Bus- und Cable Car-Simulator sowie der Bus-Simulator 2012, die beide von TML-Studios entwickelt wurden, veröffentlicht. Man kann also annehmen, dass astragon als Publisher einige Erfahrung im Bereich der Bus-Simulatoren gesammelt hat! Die Österreicher rund um stillalive studios sind eher neu in der Simulatoren-Szene. Zumindest gab es bisher keine großen Titel, die veröffentlicht wurden.

Nun aber Schluss mit der Historie der Reihe : Wir erinnern uns an den Juli 2015 zurück, als das Spiel zum ersten Mal angekündigt wurde. Seien wir ehrlich: Es wirkte erst einmal wie ein Reinfall, als wir uns die Screenshots anschauten, die später jedoch als „Artworks“ bezeichnet wurden. Das Spiel sah zu dem Zeitpunkt einfach nicht realistisch aus.

Auf der gamescom 2015 gab es dann erstmalig die Möglichkeit, das Spiel anzutesten und bewegte Bilder zu sehen. Viele Besucher hatten große Hoffnung auf die versprochenen Änderungen. Und so hat sich im Vergleich zu Juli 2015 auch einiges getan! Um den Jahreswechsel gab es allerdings auch schlechte Neuigkeiten: Das Spiel wurde um zwei Monate nach hinten verschoben, um noch einiges verbessern zu können.

Am 2. März war er dann endlich da: Der große Release! Der erste positive Punkt ist, dass der Bus-Simulator 2016 an Steam gebunden ist, wodurch auch schon erste Modifikationen im Workshop verfügbar sind, die von Entwicklern hochgeladen wurden,

Nach dem Download geht es natürlich direkt ins Spiel. Der Download verläuft, je nach Internetverbindung, relativ schnell, da das Spiel nicht sonderlich groß ist.

Zunächst werden wir nach dem Firmennamen gebeten. Nachdem wir uns einen ausgedacht haben, geht es auch schon – nach einer langen Wartezeit – weiter mit der Tutorial-Abfrage, welche empfehlenswert ist.

Wir starten auf einem Hof im sonnigen Sunny Springs – vor uns ein alter Mann, der den Namen Ben trägt. Er ist der Mann, den wir zu Beginn des Spielverlaufs am Telefon hatten. Ihm gehört das Unternehmen, das wir ihm abkaufen möchten. Bevor er seinen wohlverdienten Ruhestand einleitet, begleitet er uns zum Einstieg in die Firma und erklärt, wie alles funktioniert. Ben läuft für sein Alter übrigens sehr schnell. Nach der ersten Erklärung der Steuerung fahren wir unsere erste Strecke – mit Ben zusammen natürlich! Er erklärt uns nochmal alles, was beim Busfahren wichtig ist: Schön nah am Bordstein und mittig der Haltestelle halten und blinken nicht vergessen! Während dieser Fahrt erzählt er uns außerdem die ein oder andere Geschichte. Schnell merken wir: Hey, so schwer ist es ja gar nicht!

Nach der ersten Linie landen wir im Depot. Um ein neues Gebiet freizuschalten, müssen wir Aufgaben erledigen. Nachdem wir einen Bus lackiert, sowie eine neue Linie erstellt und gefahren haben, haben wir Zugriff zu einem der vier weiteren Gebiete. Ein nettes Feature, dass man Aufgaben erledigen muss, um weiter zu kommen. Gleichzeitig ist es ein Ansporn, denn jedes Gebiet sieht anders aus. Die fünf befahrbaren Gebiete im Spiel heißen Suburban Distrikt (wo wir zu Beginn starten), Modern Distrikt, Residental Distrikt, Inner City Distrikt und Indrustial Distrikt. Anhand der Namen könnte man sich bereits denken, welche Gebäudearten sich in den jeweiligen Gebieten befinden. Alles in allem erinnert uns die Gebiets-Einteilung an Level (vergleichbar wie Jump’n’Run-Spiele), was dem Ganzen natürlich noch mehr eine Arcade-Würze dazugibt.

Sehr schön ist, dass man innerhalb 30 Minuten alles zum Spiel erlernen kann, was wichtig für das Management ist: Linienerstellung, Kaufen von Bussen, Einstellen von Mitarbeitern, Fahren der Busse. Das Verkaufen von Tickets ist auch relativ einfach gehalten, was ganz zur Freude von Neulingen sein kann!

 

 

Nun komme ich zu den Einzelwertungen. Die Punkte für die nachfolgenden 5 Wertungsaspekte sind in der Tabelle unterhalb der Beschreibungen zu finden!

 

Fuhrpark

Mit unserem eigens erwirtschafteten Betrieb haben wir verschiedene Bustypen, die wir auswählen können. Zum einen haben wir einen MAN-Bus in der Solo- und Gelenkvariante. Des Weiteren gibt es eigens erstelle Busmarken- und Designs, die mit dem Logo der stillalive studios versehen sind. Im Workshop bei Steam kann man sich bequem und einfach neue Busse herunterlade. Da wird die Community in den nächsten Monaten bestimmt noch einiges dazu beitragen! Den größten sichtbaren Nachteil, den wir hier sehen, ist, dass es in den Bussen nur wenige Funktionen gibt. Kann man bei Konkurrenzprodukten beispielsweise Fenster öffnen und Rollos runterziehen, so ist das im Bus-Simulator 16 nicht möglich. Auch wenn es keine starken Sonnenstrahlen gibt, hätte man dies der Realistik we gen einbauen können – schade!

 

KI

Erinnern wir uns an die Vorgänger zurück, gab es dort einiges an Kritik: Die KI fährt nicht wie eine künstliche Intelligenz, sondern total unrealistisch, sie nehmen die Vorfahrt und so weiter. Mit dem neuesten Teil hat sich da auf jeden Fall was getan. Es gibt viel Verkehr mit unterschiedlichen Fahrzeugen und Fahrzeugdesigns. Staus sind ebenfalls möglich, was uns in anderen Spielen sehr fehlt. Der Stau kann allerdings auch zum Nachteil werden, zum Beispiel, wenn es in engen Straßen sehr schnell voll wird und man so fast kaum durchkommt. Außerdem warten einige Autos zu lange, bevor sie losfahren – währenddessen kommt schon der Nächste, der wieder Vorfahrt hat. So entstehen ebenfalls (unnötig) Staus, die sich vermeiden lassen könnten. Positiv ist allerdings wieder, dass die KI-Autos auf Blinker reagieren. Die KI-Passanten verhalten sich beim Laufen auch wie Passanten, auch wenn unser alter Ben zu Beginn für sein Alter doch recht schnell läuft. Negativ ist hier, dass gefühlt jeder fünfte Passant dieselbe Kleidung trägt. Ein toller Aspekt ist, dass es auch Rollstuhlfahrer gibt, die ebenfalls mitfahren – somit muss die Rollstuhlrampe im Bus benutzt werden, sobald ein Rollstuhlfahrer mitfahren möchte. In Bussen reden die KI-Passanten aktiv und man hat immer den Gedanken, dass der Bus randvoll ist, wenn man sich auf die Geräusche verlässt. Und das, obwohl gerade eigentlich nur wenige Passanten mitfahren, was in unseren Augen ein positiver Punkt ist. Allerdings wiederholen sich Gespräche sehr schnell, es ist aber trotzdem eine nette Idee, die uns hin und wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Schade ist, dass es keine Busse, gesteuert von der KI, gibt, die in der Stadt rumfahren.

 

 

Szenerie

Sunny Springs ist eine schöne und große Stadt. Die Stadtfläche bzw. die Map ist groß, aber dennoch überschaubar. Es gibt außerdem 5 Gebiete, die sich mehr oder weniger gut unterscheiden lassen. Das größte Problem ist hier jedoch, dass die Gebiete selbst keine große Abwechslung bieten. Fast alle Straßen sind gleich und es gibt keine Herausforderungen in anderen Gebieten. Öfters kann es also sein, dass man sich selbst folgende Frage stellt: „War ich hier nicht schon mal?“. Des Weiteren haben die Gebiete nur zwei Zugänge. Somit wirkt die Stadt nicht mehr so groß. Wir hätten uns mehr Stadt als Gebiete gewünscht. Die Passanten und die Autofahrer lassen die Stadt aber als eine große, aktive Stadt darstellen, sie ist belebt durch viele Fußgänger, die an ihrem Handy spielen, in Gruppen stehen oder etwaige Aktivitäten tätigen. Letztendlich ist es insgesamt eine tolle und vor allem große Stadt, aber trotzdem nichts Besonderes.

Ein großer negativer Punkt ist, dass es kein Wettersystem gibt. Es gibt zwar Regen, jedoch ist dieser unrealistisch (mehr im Grafik-Teil) und fällt nicht gegen Scheiben. Die Fenster werden weder nass, noch beschlagen sie. Zudem hat der Regen keinerlei Einfluss auf das Fahrverhalten des Busses.

Die Busse haben außerdem auch Störungen. Es kann öfters vorkommen, dass Türen klemmen oder ein Fahrgast in der Tür steht. Solche Aufgaben sind einfach zu erledigen und nerven nicht, da sie nicht sehr oft vorkommen. Wir bekommen Sterne für richtiges Verhalten, wie es Ben uns erklärt hat: Richtig stehen, Blinken, Bus absenken. Alles wirkt sich positiv auf die Punktzahl aus. Die vorhin erwähnten Rollstuhlfahrer sind außerdem ein nettes Feature. Hier müssen wir des Öfteren die Rampe ausfahren. Die Fahrgäste haben, wenn sie an Haltestellen warten, ein realistisches Verhalten, welches man mit dem heutigen Verhalten aus der realen Welt vergleichen könnte: Sie starren alle auf ihr Handy, egal ob im Bus oder an der Haltestelle. Die Passanten steigen zudem realistisch und zügig ein, damit wir nicht noch mehr Verspätung erhalten.

 

 

Grafik

Die Grafik wurde im Vergleich zur Ankündigung im Juli 2015 deutlich verbessert, sieht aber dennoch nicht realistisch aus. Dies ist allerdings überhaupt nicht negativ gemeint! Sie erinnert eher an ein Arcade-Game, in dem es mehr um das allgemeine Fahren geht, als um die Realität. Viele haben sich daher lieber eine realistische Grafik gewünscht, wie es sich in (technischen) Simulatoren gehört. Die Grafik ist dennoch ganz schick und irgendwie auch niedlich – obwohl es eine relativ alte Engine ist, auf der die Grafik basiert. Sie ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber passt irgendwie doch zum Spiel. Außerdem gibt es verschiedene Wettersituationen und es gibt Events, die sich daran anpassen: Effekte wie das Fliegen der Blätter von den Bäumen oder Papierzeitungen sind keine Seltenheit. Der Regen ist eher ein Reinfall: Die Straßen sehen sofort überschwemmt aus, die auf die Straße fallenden Regentropfen sehen „stark“ aus, das Wasser kommt etwas hochgespritzt, was unrealistisch aussieht. Die Regentropfen scheinen außerdem viel zu groß zu sein und haben anscheinend auch negativen Einfluss auf die Performance des Spiels.

 

 

Umfang

Mit dem Bus-Simulator 16 gibt es sechs verschiedene Busmodelle, fünf befahrbare Gebiete in einer großen Stadt und viele Fahrgäste, die (wie oben angesprochen) unterschiedlich in ihren Aktivitäten sind, aber fast immer dieselbe Kleidung tragen. Der Realismus des Spiels lässt eher zu wünschen übrig. Das Verhalten des Busses wird nicht durch Regen beeinflusst und ist mit der Tastatur sehr schwammig. Sobald man etwas lenkt wackelt der Bus ziemlich stark, was schon ein Kritikpunkt bei den Vorgängern war.

Der angekündigte Multiplayer, der das Spiel in der Entwicklung noch spannender und interessanter machen sollte, war eher mau. Es ist nämlich kein Multiplayer, wie man ihn mit anderen Produkten mit Multiplayermodus vergleichen könnte. Man leitet lediglich die Firma zusammen, sonst hat das Spiel nichts mit einem Multiplayer zu tun. So sieht man sich beispielsweise nicht gegenseitig auf den Straßen, wenn man mit einem Bus unterwegs ist. Aber wer weiß, vielleicht kommt da bald noch was (evtl. ja sogar seitens der Community)! Die Busse bieten leider kaum besondere Funktionen – über die Rollstuhlfahrereinbindung freuen wir uns allerdings!

 

 

Fazit

Der Bus-Simulator 16 bzw. dessen Reihe hat sich – zum Erstaunen unsererseits – zum Positiven verändert. Allerdings hat das Spiel auch seine Macken. Wer mehr Wert auf den Realismus legt, sollte lieber zur Konkurrenz greifen. Wer aber eine einfache, leicht zu bedienende Bus-Simulation mit einem Hauch von Arcade-Feeling mit Management-Teil spielen möchte, der wird mit dem Bus-Simulator 2016 auf jeden Fall zufrieden sein! Durch viele (und hoffentlich noch kommende) Workshop-Elemente bei Steam, dem halben Multiplayer und der einfachen Gestaltung wirkt das Spiel recht gut; getreu nach dem Motto „Weniger ist mehr“.

 

Einzelbewertungen


Fuhrpark



6 / 10


KI



8 / 10


Szenerie



8 / 10


Grafik



7 / 10


Umfang



7 / 10

   

Gesamtpunktzahl



36 / 50

 

Prozentuale Wertung:.................72 % (befriedigend)

 

 


Review durchgeführt mit Version 1.0 vom Bus-Simulator 2016.

Reviews im Race-Sim-Net werden durch die eigenen Erkenntnisse der Autoren verfasst. Wie in vielen Bereichen kann es natürlich zu Meinungsverschiedenheiten kommen! Innerhalb des Testfensters könnten Dinge unentdeckt geblieben sein, wodurch es nach entsprechender Ansicht möglicherweise Lücken geben könnte.

 

 


So werten wir (Angaben in %):