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In Deutschland gilt SimRacing ab sofort als offizielle Motorsport-Disziplin. Beschlossen wurde dies vom Präsidium des Deutschen Motor Sport Bundes (DBSM) am vergangenen Donnerstag, 04. Oktober, auf seiner Sitzung. Demnach steht einer weiteren und vor allem offiziellen Professionalisierung dieser eSport-Variante nichts mehr im Wege. Mit der Entscheidung folgt der DMSB anderen Sportarten wie Segeln (eSailing) und Fussball (eSoccer). Hier gibt es schon seit längerem größere Wettbewerbe und professionelle Vereine. Außerdem hat das Internationale Olympische Komitee schon einige eSport-Diszuplinen zugelassen.

„In keiner anderen Sportart liegen Realität und digitale Simulation so nah beieinander wie im Motorsport”, erklärt Dr. Gerd Ennser, Präsidiumsmitglied des DMSB und künftig auch verantwortlich für SimRacing. „Die Darstellung der Rennstrecken und die Einstellungsmöglichkeiten der Fahrzeuge sind so realistisch, dass viele Motorsportler SimRacing längst als Trainingsmöglichkeit und zur Vorbereitung etwa auf unbekannte Rennstrecken nutzen. Nun wollen wir den nächsten Schritt machen, indem wir SimRacing als vollwertige Motorsport-Disziplin anerkennen und damit den Einstieg in den Motorsport auch für jüngere Menschen erleichtern.”

 

Verschmelzung von realem Motorsport und SimRacing

Laut DMSB erfordere das professionelle SimRacing nicht nur die notwendige Hardware wie Lenkrad und Pedaleinheit, sondern auch entsprechendes sportliches Training und Sportstrukturen. Deshalb differenziert der DMSB zwischen professionellem Racing und zwischen Mobile bzw. Casual Gaming.

„Genau hier kann der DMSB wertvolle Unterstützung bieten”, weiß Dr. Gerd Ennser. „Wer mit anderen nicht nur ein bisschen ‚zocken’ möchte, sondern sich ernsthaft auf SimRacing-Wettbewerbe einlässt, wird schnell merken, dass klare Regeln, neutrale Sportwarte und technische Standards sinnvoll und notwendig sind.”

Nach eigenen Angaben arbeiten derzeit rund 3.000 ehrenamtliche Sportwarte für den Deutschen Motorsport Bund, sodass hier durch bewährte Strukturen bereits eine optimale Grundlage gegeben ist. Eine spezielle Gruppe soll in Zukunft dafür sorgen, dass der reale Motorsport und die Simulation am Rechner viel enger zusammen rücken. Dadurch könnten Rennleiter und Sportkommissare Erfahrungen des realen Motorsports für das virtuelle SimRacing nutzen. Als Beispiel wird vom DMSB der DTM-Renndirektor Sven Stoppe aufgeführt, der bereits bei einigen virtuellen Rennen dabei war. Und auch der reale Motorsport kann vom SimRacing profitieren, indem Regeländerungen beispielsweise erst virtuell erprobt werden, bevor sie in echten Rennklassen Verwendung finden.

 

Schulungsmöglichkeiten durch eSport

Der Bereich Schulungen geht ebenso nicht leer aus. Unter anderem gibt es für den Erwerb der Nordschleifen-Lizenz die Möglichkeit, ein E-Learning-Programm durchzuführen. Mit SimRacing ließen sich die entsprechenden Videosequenzen viel einfacher an erforderliche Situationen anpassen. Außerdem sei das E-Learning laut Ennser eine schnelle und kostengünstige Möglichkeit, Lizenzen für das SimRacing einzuführen und Lehrgänge dafür durchführen zu können.

SimRacer sind nach aktuellen Studien zwischen 18 und 44 Jahre alt und damit im optimalen Alter für eine aktive Motorsportkarriere.

 „SimRacing kann aus unserer Sicht den Einstieg in den Motorsport bilden, da es relativ kostengünstig ist und praktisch von jedermann ausgeübt werden kann – übrigens auch von Menschen mit körperlichen Einschränkungen”, erklärt Dr. Gerd Ennser. „Wie bei anderen Einstiegsdisziplinen – wie etwa dem Slalomsport oder Gleichmäßigkeitsprüfungen – werden manche Sportler diese Motorsport-Disziplin weiterverfolgen, für andere ist sie das Sprungbrett für höhere Klassen. Konzentration, Reaktionsschnelligkeit und technisches Grundverständnis werden beim SimRacing perfekt geschult. Das zeigen uns auch die Piloten, die sich bei Nachwuchssichtungen im SimRacing-Bereich durchsetzen und bereits im realen Sport Fuß fassen konnten. Dies wollen wir nun noch mehr Fahrern ermöglichen.”

 

International erstrecken sich eSports-Szenen mittlerweile über Rennspiele wie iRacing oder rFactor. Auch die FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) und Liberty Media haben sich 2017 mit der Formel 1 erstmals an den virtuellen Motorsport herangetastet. In diesem Jahr findet die 2. Ausgabe statt, in der alle Teams außer Ferrari einen virtuellen Rennstall zur Verfügung stellen.

 


© ADAC SimRacing Expo 2017

 

Quelle
dmsb.de, zuletzt abgerufen am 08.10.2018, 14:00